Image: Wie Sie auf Nummer sicher gehenChristoph Sedlmeir, Chief Executive Officer des Managed-Service-Providers prime-ing
Rechtskonforme Werk- und Dienstverträge

Wie Sie auf Nummer sicher gehen

Lesezeit ca.: 5 Minuten

Bei der Definition von Werk- und Dienstver­trägen kennt der Gesetzgeber keine Grauzonen. Unsachgemäß oder gar nicht rechtmäßig umgesetzte Projekte können unter Umständen gar strafrecht­liche Folgen haben. Christoph Sedlmeir, Chief Executive Officer des Managed-Service-Providers prime-ing, kennt die Herausfor­de­rungen bei der Umsetzung beider Vertrags­arten – und zeigt Lösungswege auf.

29. August 2019

Welche Konsequenzen haben Fehler bei der Umsetzung von Werk- und Dienstver­trägen?

Christoph Sedlmeir: Fehler in der Definition und Durchfüh­rung von Werk- und Dienstver­trägen können zu einer illegalen Arbeitneh­mer­über­las­sung führen, die sowohl für den Auftragnehmer als auch für den Auftraggeber sehr riskant oder gar existenz­ge­fähr­dend sind. Der Auftragnehmer läuft Gefahr, seine Arbeitneh­mer­über­las­sungs­li­zenz zu verlieren, und auf den Kunden warten unter Umständen strafrecht­liche Folgen – und viele neue, ungeplante festange­stellte Mitarbeiter.

Was machen viele Unternehmen immer wieder falsch?

Sedlmeir: Mich erstaunt es immer wieder, dass Kunden heute noch auf schlichtweg unzulässige Passagen in vielen Kundenver­trägen bestehen und Dienstleister diese Passagen aus einer womöglich falsch verstandenem Serviceat­ti­tüde heraus übernehmen. Hier meine ich beispiels­weise personenbezo­gene Absätze, in denen der Kunde auf sein vermeint­li­ches Mitsprache­recht bei der Auswahl des Erfüllungs­ge­hilfen pocht. Denn Fakt ist, dass der Vertrags­in­halt in einem Dienst- und Werkvertrag niemals eine Person ist, sondern immer und ausschlie­ß­lich die Leistung oder der Werkerfolg.

Worauf kommt es nun bei der rechtskon­formen Umsetzung von Werk- und Dienstver­trägen an?

Sedlmeir: Die richtige Leistungs­be­schrei­bung im Dienstver­trag bzw. Erfolgsbe­schrei­bung im Werkvertrag allein reicht nicht. Ebenso entschei­dend ist die tatsächliche Steuerung des Projekts, die von Repräsen­tanten der einzelnen Vertrags­par­teien aktiv gelebt werden muss. So müssen beispiels­weise arbeitsrecht­liche und diszipli­na­ri­sche Weisungen von Auftragge­bern gegenüber dem Auftragnehmer unterbunden und die organisa­to­ri­sche Abtrennung von Auftragnehmer zum Auftraggeber beachtet werden.

Können Sie das an einem Beispiel kurz erklären?

Sedlmeir: Um einen korrekten Kommunika­ti­ons­ab­lauf zu beschreiben, werfen wir der Einfachheit halber einen Blick in die Baubranche. Ein Maurer, der bei einer Baufirma (Auftragnehmer) angestellt ist, zieht auf einer Baustelle des Bauherrn (Auftraggeber) eine Wand hoch. Die Wand ist im Rahmen eines Auftrags und des Architek­ten­plans klar spezifiziert. Nun spricht der Bauherr direkt den Maurer der Baufirma an, dass er die Wand gerne zehn Zentimeter versetzt haben möchte. Dies entspricht einer Auftrags­än­de­rung, die der Bauherr aber nicht direkt dem Maurer geben darf, denn dadurch hätte der Bauherr dem Mitarbeiter des Auftragneh­mers einen Arbeitsauf­trag zugewiesen und somit eine Weisung erteilt.

Richtig wäre es, ….

Sedlmeir: … die Änderung bezüglich der Wand an den Repräsen­tanten des Auftragneh­mers (Bauleiter der Baufirma) zu adressieren. Diesem obliegt laut Vertrag die steuernde Rolle. Nur er entscheidet, ob der Auftrag ohne Aufpreis verändert werden kann oder ein Nachtrags­an­gebot dafür gestellt werden muss. Wenn beide Seiten eine Vereinba­rung zur neuen Position der Wand geschlossen haben (Change Re­quest – Auftrags­än­de­rung) kann der Bauleiter seinem Mitarbeiter den neuen Auftrag erteilen, denn nur er ist gegenüber seinen Mitarbei­tern weisungs­be­fugt.

Auf den ersten Blick klingt das sehr umständlich und bürokratisch.

Sedlmeir: Umständlich ja, aber rechtskon­form. Hält man sich nicht an die gesetzli­chen Vorgaben, kann das schwerwie­gende juristische Folgen haben. Unter keinen Umständen sollten hier also der Bequemlich­keit halber Fehler gemacht werden.

Wie unterstützen Sie Unternehmen bei der rechtskon­formen Abwicklung von Werk- und Dienstver­trägen?

Sedlmeir: Angesichts der drastischen Strafen liegt es im ureigenen Interesse von prime-ing, dass wir uns nach intensiver Beratung des Kunden und über die Anbahnung hinaus intensiv um die Umsetzung im Betrieb kümmern, Abläufe sowie Kommunika­ti­ons­wege klar vorgeben und auf deren Einhaltung achten. Zudem schulen und beraten wir unsere Kunden in der rechtkon­formen Gestaltung der Prozesse. Wir begleiten die Projekte mit speziell ausgebil­deten Beratern und unterstützen dadurch die Einkaufs-, Rechts- und Projektma­nage­men­t­ab­tei­lungen unserer Auftraggeber. Somit behalten wir für unsere Kunden den Überblick und helfen, ein Maximum an Rechtssi­cher­heit zu erlangen.

Was erwarten Sie von Dienstleis­tern, mit denen Sie zusammen­ar­beiten?

Sedlmeir: Selbstver­ständ­lich, dass sie auf die rechtskon­forme Umsetzung ihrer Projekte achten. Im Idealfall müssen wir uns dabei nicht auf das gegebene Wort verlassen, sondern können auf objektive Einschät­zungen und Bewertungen zurückgreifen. Die Rechtskon­for­mität bei Akquisition und Abwicklung von Kundenpro­jekten auf werk- und dienstver­trag­li­cher Basis hat sich FERCHAU beispiels­weise von der DEKRA zertifizieren lassen. Dies umfasst auch die Regelungen zur Zusammen­ar­beit und Kommunika­tion.

Fakt ist, die gesetzli­chen Regelungen im Rahmen von Werk- und Dienstver­trägen sind komplex. Um in diesen „Paragrafen-Dschungel“ eine gewisse Struktur zu bringen, haben wir mit „relaX“ ein eigenes, intuitiv bedienbares Software­tool als Kollaborations­platt­form entwickelt.

Welche Vorteile bietet relaX?

Sedlmeir: relaX steht für „Relation Xcellence“ und dieser Name ist Programm. Als Kollabora­ti­ons­platt­form bringt relaX alle Beteiligten eines Werk- oder Dienstver­trags zusammen: Auftraggeber, Auftragnehmer, die Mitarbeiter des Auftragneh­mers und sogar etwaige Subliefe­ranten wie Freelancer. Das Besondere der Plattform besteht in den vordefinierten Workflows. Sie garantieren, dass nur vertraglich relevante und rechtlich zulässige Interaktionen stattfinden können. Unerlaubte Weisungen von Auftragge­bern an Auftragnehmer sind durch die Struktur ausgeschlossen. Weil die gesamte Kollabora­tion im Rahmen des Tools abgebildet wird, entsteht ganz nebenbei eine lückenlose und jederzeit einsehbare Projektdo­ku­men­ta­tion.

Herr Sedlmeir, vielen Dank für das Gespräch!